Misteltherapie

Mistelextrakte können die immunologische Reaktionslage von Tumorpatienten verbessern, u.a. kommt es zu einer Zunahme bestimmter Lymphozytenpopulationen wie T-Helfer- und natürliche Killer-Zellen im peripheren Blut. Als eine wichtige immunaktive Komponente hat sich das Mistellektin-1 erwiesen.
Mehr Appetit, weniger Müdigkeit
Außerdem kommt es zu einer vermehrten Ausschüttung von Betaendorphinen, die mit einer verbesserten Lebensqualität korreliert. Letztere konnte nun erstmals auch in einer Doppelblindstudie nachgewiesen werden, an der 272 prä- und perimenopausale Brustkrebs-Patientinnen teilnahmen. Nach Tumorresektion erhielten sie mit der Beginn der adjuvanten Chemotherapie zusätzlich zweimal wöchentlich entweder 0,5 ml des normierten Mistelextrakts PS76A2 in drei verschiedenen Dosierungen (entsprechend 5, 15 und 35 ng Mistellektin) oder Plazebo subkutan. Die Therapie erstreckte sich über 15 Wochen.
Die Beurteilung der Lebensqualität anhand zweier validierter Skalen erbrachte für die mittlere Dosis einen deutlichen Vorteil gegenüber dem Scheinmedikament. Signifikante Verbesserungen betrafen u.a. Müdigkeit und sexuelles Interesse, Übelkeit und Erbrechen ließen nach, und der Appetit nahm zu. Als praktische Konsequenz aus den Studienergebnissen empfiehlt die Herstellerfirma nun statt der bisher üblichen körpergewichtsadaptierten Dosierung die zweimal wöchentliche Gabe von 0,5 ml Mistelextrakt, normiert auf 15 ng Lektin.
In allen Therapiegruppen kam es zu einem Anstieg der T-Helfer-Zellen, der mittelgradig mit der Lebensqualität korrelierte.
Eine prospektive Untersuchung bei 830 Hochrisikopatienten mit malignen Melanom konnte einen solchen Vorteil allerdings weder für die Gesamtüberlebenszeit noch für das krankheitsfreie Intervall belegen.
Lokalreaktion meist vermeidbar
Eine retrospektive Analyse aller Patienten der Tumorambulanz am Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke ergab beim Melanom eine signifikante Verlängerung der Überlebenszeit im Vergleich zur nicht-mistelbehandelten Kontrollgruppe. Kein solcher Effekt ließ sich dagegen für das Pankreaskarzinom zeigen. Man geht davon aus, dass an den immunmodulierenden Effekten auch andere Mistelinhaltsstoffe wie Viscotoxine und Polysaccharide wesentlich beteiligt sind, zumal der Körper unter einer länger dauernden Therapie hemmende Antikörper gegen Mistellektin bildet.
Man bevorzugt eine individuelle Dosierung nach dem Immunstatus, nicht zuletzt kann man nach durch eine Dosissteigerung die sich entwickelnde „Toleranz“ des Körpers modulieren. Allerdings wählt man bei tumorfreien Patienten in der Remission die Dosis so niedrig, dass es nicht zu ausgeprägten Lokalreaktionen kommt.

Hohe Dosen stoppen Pleuraerguss
Immer wieder diskutiert wird die Frage, ob es unter der Misteltherapie bei Lymphomen und Leukämien zu einen sog. Tumor - Enhancement kommen kann. Eine retrospektiven Analyse von 223 Herdecker Lymphom - Patienten ergab im Vergleich zu einem konventionell behandelten Kontrollkollektiv aus der Literatur keinen relevanten Unterschied in der Überlebenszeit. Da sich ein Tumor - Enhancement jedoch im Einzelfall nicht ausschließen lässt, ist die Misteltherapie bei Lymphomen und Leukämien eine Sache für Erfahrene. In hohen Dosen wirken Mistelextrakte zytotoxisch, dies lässt sich ausnützen, um durch direkte Instillation in den Pleuraspalt einen malignen Pleuraerguss trockenlegen. Durch Injektion in Knochenmetastasen kann man Schmerzen reduzieren. Bei perioperativer intravenöser Applikation unterbleibt einer Pilotstudie zufolge die Op.- bzw. Narkose-bedingte Immunsuppression. |